Ein feiner britischer Mord

Junges Theater feiert Premiere mit einem Thriller nach Edward Taylor

Von Francisco Pujiula

ESCHWEGE. Den perfekten Mord muss es geben, witzelte Alfred Hitchcock, der Beweis ist, dass noch keiner entdeckt wurde. Und der gleichen Meinung ist der Krimiautor Harold Kent, der seinen Co-Autor Paul Riggs los sein möchte – nicht zuletzt weil Letzterer ihn erpresst: mit einer hässlichen Geschichte. Aber wie funktioniert das, der perfekte Mord? Edward Taylor zeigt es uns in seinem Stück “Ein mörderischer Unfall”, das vom Jungen Theater Eschwege an diesem Samstag in der Stadthalle aufgeführt wurde – ein “very British” Thriller in der Tradition von Durbridge, will sagen: spannend, doppelbödig und voll Überraschungen, ein sehr unterhaltsames Stück, das, nach einem etwas zu lang geratenen ersten Teil, nach der Pause umso turbulenter und hintergründiger wird – bis zur genial-makaberen Schlusspointe. Harold will seinen Gegenspieler auf dem unzugänglichen Balkon aussperren und dann verreisen. Die treulose Ehefrau, bei der Vorbereitung des Mordes noch auf Seiten ihres Ehemannes, hatte dem Geliebten vor der Abreise die Balkontür geöffnet. Er überlebte und schickte seinem Widersacher die Polizei, die keine ist, auf den Hals. Ein Leckerbissen für Fans des Genres – und sie sind bekanntlich Legion.

Mit dieser Inszenierung hat, sich das Junge Theater Eschwege zum ersten Mal an einen Thriller gewagt – mit Erfolg. Nicht nur, dass die Auswahl des Stücks ein glücklicher Griff war: auch die szenische Umsetzung zeigte, dass diese rührige und bei uns schon richtig etablierte Laientheater-Gruppe ihren guten Ruf ehrlich verdient – auch mit einem “kriminalistischen Kammerspiel” mit nur vierköpfigen Besetzung, was dem kleinen Ensemble einiges abverlangte.

Am meisten dem tragenden Duo, dem schon erwähnten Tandem Kent- Riggs – mit Heiko Alsleben und Konrad Stegmann (zwei alten Hasen des Jungen Theaters) überzeugend besetzt. Und der Neue im Team, Simon Wiese in der Rolle des cleveren und selbstbewusst auf tretenden Inspektor Egan, auch er “very British”, machte seine Sache ebenfalls gut. Die vierte im Ensemble, Bettina Roß als Emma Kent, hatte eine etwas undankbare Rolle, die sie korrekt ausfüllte. Barbara Jähnchen hatte das Stück inszeniert, mit guter Personenführung und sicherem räumlichen Gefühl: der “Tatort”, ein modernes Wohnzimmer, gestaltet von Heiko Alsleben, wurde in allen seinen Teilen optimal ausgenutzt.

(Werra Rundschau, 10.März 2003, Eschwege, F. Pujiula)

EIN MÖRDERISCHER UNFALL
(murder by misadventure)

Ein Thriller von Edward Taylor
Deutsche Übersetzung: Hans-Dieter Weber.

Auffürungen:

Samstag,
08.03.03, 20.00 Uhr
Premiere Stadthalle Eschwege

Freitag,
14.03.03, 20.00 Uhr
Veranstaltungshalle Bad Sooden Allendorf

Samstag,
15.03.03, 20.00 Uhr
Kulturzentrum Waldkappel

Freitag,
21.03.03, 20.00 Uhr
Bürgerhaus Sontra

Samstag,
22.03.03, 20.00 Uhr
KaLe (Kultur am Leuchtberg),
Gambrinussaal Eschwege

Freitag,
28.03.03, 20.00 Uhr
Rathaussaal Großalmerode

Harold Kent Heiko Alsleben
Paul Riggs Konrad Stegmann
Emma Kent Bettina Roß
Inspektor Egan Simon Wiese

Licht- und Tontechnik
Irek Giolda und Barbara Jähnchen

Bühnenbild
Heiko Alsleben

Bühnendeko/Requisite
Anne-Rike Preiß, Heike Alsleben und Sonja Bruchmüller

Soufleuse
Gisela Fydrich

Maske / Kostüme
Ensemble

Öffentlichkeitsarbeit
Barbara Jähnchen

Plakat
Peter Hoefel und Mara Schnur

Fotos
Sebastian Perels

Regie/Gesamtleitung

Barbara Jähnchen und Heiko Alsleben

One thought on “Ein mörderischer Unfall”

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