Homage an Goethe

Ein hinreißender Theaterzauber

ESCHWEGE. Die Zuschauer im Rittersaal an diesem Sonntagnachmittag erlebten eine Hommage an den deutschen Dichterfürsten in Form eines hinreißenden Theaterzaubers – vielfach jung: Es war ein Stück des jungen Goethe in einer Produktion des “Jungen Theaters Eschwege”, von jungen Schauspielern mit jugendlicher Anmut gespielt; ein herrliches Vergnügen.

Goethe war 18 Jahre alt, als er “Die Laune des Verliebten” schrieb, sein erstes Theaterstück: ein graziöses, in sonoren, leicht fließenden Alexandrinern verfasstes, ätherisches “Schäferspiel”, so schön und grazil wie ein Bild von Dragonard oder wie die Musik von Mozart. Der Vergleich mit Mozart drängt sich in diesem Falle besonders auf, denn die “Laune des Verliebten” entstand etwa zur gleichen Zeit wie “Bastien und Bastienne” des zwölfjährigen Wölferl, und beide Werke atmen die gleiche goldene Luft Arkadiens. Und: “Bastien und Bastienne” wurde auch vor einiger Zeit vom “Jungen Theater” gespielt, das nun das gleiche Bühnenbild von damals verwendete.

“Schäferspiele” waren in den Zeiten des Rokoko beliebt, und so schrieb der junge Goethe auch eines. Aber sein “Schäferspiel” ist den blutleeren, mit Worthülsen überfrachteten Modestücken seiner Zeit unendlich überlegen. Goethe brachte Menschen aus Fleisch und Blut auf die Bühne, gab ihnen wirkliche Gedanken in einer poetischen und doch allgemeinverständlichen Sprache. Eine Sprache, die den modernen Zuhörer fesselt, mit Gedanken, die in ihrer freien Gesinnung modern wirken. Die Moral von der Geschichte ist, dass Mädchen auch dann ein Recht auf Vergnügungen haben, wenn ihr Freund nicht dabei ist.

Aber bis Eridon dies einsieht, vergeht eine Weile. Eridon ist verliebt in Amine – und schrecklich eifersüchtig. Am liebsten möchte er ihr alles verbieten, speziell das Tanzen. Aber Amines Freundin Egle kann ihn umstimmen, nachdem sie ihn dazu gebracht hat, sie zu küssen, wonach Eridon feststellt, dies hätte seiner Liebe zu Amine nicht geschadet. Eine einfache Handlung, kunstvoll gefügt und wunderschön ge- dichtet, die mit den Worten endet: “Ihr Eifersüchtigen, die ihr ein Mädchen plagt, denk’ euren Streichen nach, dann habt das Herz und klagt.”

Mit Können, Herz und Verstand vom “Jungen Theater”, gespielt unter der Regie von Karin Perels. Winnie Karnofka war eine resolute, selbstbewusste Egle, Steffen Burghagen lotete den Part des Eridon in seiner ganzen Breite aus, Liebe, Eifersucht, Verzweiflung, Wonne waren in seinem Spiel zu sehen. Sabine Müller-Harbich, die ich nur als Sängerin kannte, war eine zarte, zauberhafte Amine, die allen Gefühlsregungen Ausdruck gab. Und auch Konrad Stegmann überzeugte in der Rolle des lebenslustigen Lamon. Allen vier gemeinsam war eine klare Diktion – und eine riesige Spielfreude. Es war wirklich gutes Theater, von theaterbegeisterten “Laien” gespielt, die an diesem Tag nichts Laienhaftes an sich hatten. Goethe, der einen Tag zuvor 250 Jahre alt geworden wäre, hätte auch Freude daran gehabt.

Der Applaus war riesengroß, auch Bravorufe waren zu hören.

(Werra Rundschau, Eschwege, 31.08.1999, F. Pujiula)

Die Laune des Verliebten
von Johann Wolfgang von Goethe

Regie:
Karin Perels

Gesamtleitung:
Winnie Karnofka

Egle
Winnie Karnofka
Lamon
Konrad Stegmann
Eridon
Steffen Burghagen
Amine
Sabine Müller-Harbich

Requisite:
Winnie Karnofka, Steffen Burghagen, Heike Pöppel

Bühnenbild:
Konrad Stegmann, Steffen Burghagen

Maske:
Isabella Tasch

Souffleuse:
Kathrin Alsleben

Aufführungen:

29. August 1999
Rittersaal im Landgrafenschloss, Eschwege

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