Komödie in vier Akten von Jens Exler

Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt, heißt es bei Schiller. – Wer kennt sie nicht – liebe Nachbarn, die stets den neuesten Klatsch und Tratsch parat haben, wobei sie es mit der Wahrheit nicht immer so genau nehmen. Solch eine Person ist Meta Boldt, die das Treppenhaus des Mietshauses als ihr Revier betrachtet und es bewacht. Nichts entgeht der neugierigen Dame. So zum Beispiel die Tatsache, dass Frau Knoop, die Mieterin in der dritten Etage, ihre kleine Kammer untervermietet, obwohl dies laut Mietvertrag strengstens verboten ist. Dies muss natürlich dem Vermieter schnellstmöglich mitgeteilt werden. Mit dieser und vielen weiteren Aktionen macht Meta Boldt sich natürlich nicht nur Freunde unter der Mieterschaft. In einer spritzig, witzigen und turbulenten Inszenierung beobachtet der Zuschauer die Wirrungen im Treppenhaus. 

Tratsch im Treppenhaus

Komödie in vier Akten von Jens Exler

Personen und ihre Darsteller

Meta Boldt – Nachbarin und Tratschtante

Rosie Schmerbach

Ewald Brummer – Steuerinspektor a.D.

Sebastian Perels

Hanne Knoop  – Witwe

Annette Lieberknecht-Wolf

Silke Seefeldt  – Untermieterin bei Fr. Knoop

Marie Dedio

Markus Brummer – Neffe von Hr. Brummer

Jörg Frenzel

Bernhard  Tramsen – Schlachtermeister, Vermieter

Heiko Alsleben

Herr Seefeldt – Silkes Vater

Holger Hämmerling

Licht- und Tontechnik

Johannes Alsleben, Julius Beck,

Jonas Hoefel

Bühnenbild  Heiko Alsleben

Requisite  Nicole Wolf

Kostüme  Karin Perels, Ensemble

Maske  Ensemble

Souffleuse  Franziska Keudel, Gisela Fydrich

Gesamtleitung  Heiko Alsleben, Barbara Hoefel

Regie  Barbara Hoefel

Aufführungsrechte bei Karl Mahnke Theaterverlag GmbH, Berlin

www.mahnke-verlag.de

Junges Theater Eschwege sorgt mit „Tratsch im Treppenhaus“ für beste Laune
Von: Eden Sophie Rimbach


Die bunten Charaktere aus Jens Exlers Kult-Stück „Tratsch im Treppenhaus“ erweckt das Junge Theater Eschwege mit perfektem Timing zum Leben.

Eschwege – Kaum hat Meta Boldt (Rosie Schmerbach) ihre Meinung über den „Herrn Steuerinspektor a. D.“ scheinbar binnen Sekunden vollständig geändert, schwirrt sie mit dem Staubwedel in der Hand in bunt-gemusterter Kittelschürze und roten Pantoffeln um Nachbarin Hanne Knoop (Annette Lieberknecht-Wolf) herum. Die soll ihre Kammer untervermietet haben. Nur, für wie viel Mark? „Können Sie schweigen?“, fragt Hanne Knoop ihre neugierige Nachbarin in ernstem Ton und gibt auf deren geträllerte Zustimmung mit stiller Genugtuung zurück: „Ich auch.“

Für gute Laune im und zahlreiche Lacher aus dem Publikum bei der Premiere von Jens Exlers „Tratsch im Treppenhaus“ im E-Werk sorgte nicht nur die herrliche Dynamik zwischen diesen beiden ungleichen Nachbarinnen. Mit spürbarer Begeisterung für die Figuren und perfektem Timing erweckt das Junge Theater Eschwege die bunten Bewohner des Mehrfamilienhauses zum Leben, die durchs Hamburger Ohnsorg-Theater berühmt geworden sind. Das Publikum erwartet ein mitreißender Abend voller Wortwitz, Situationskomik und dem Humor, der sich aus dem Zusammenleben ganz unterschiedlicher Charakter ergibt, garniert mit der ein oder anderen lokalen Anspielung.

Dazu gehört auch, dass Bernhard Tramsen (Heiko Alsleben), Schlachtermeister und Vermieter, mit einer Stracke vor der Tür steht, hinter der er Hanne Knoops junge Untermieterin Silke Seefeldt (Marie Dedio) vermutet, die allerdings mit etwas untypischer Stimme antwortet und nur ihren Arm zeigen will, der gierig nach dem Geschenk greift. Denn der echten Silke Seefeldt gelingt es im Handumdrehen nicht nur Ewald Brummers (Sebastian Perels) Neffen Markus (Jörg Frenzel), sondern auch noch den Onkel selbst und den Vermieter um den Finger zu wickeln. Während der Vermieter wundervoll geschmeichelt und mit verlegenem Lächeln den Brief mit der eigentlichen Kündigung an Hanne Knoop zurücknimmt, wandelt Ewald Brummer von der jungen Untermieterin eingenommen und mit Teekanne inklusive Tropfschutz wie hypnotisiert aus der Wohnungstür und nimmt sich wenig später ihre Modetipps zu Herzen. Schon der erste Auftritt in gemustertem Hemd, weißen Schuhen und auffälliger Krawatte sorgte bei der Premiere für lautes Lachen.

Ebenso die Verwirrungen darüber, wer denn nun nach dem Stiftungsfest des Kaninchenzuchtvereins „Weiße Pfote“ wo übernachtet hat. „Das reinste Sodom und Gomera!“, prophezeit Meta Boldt. Nicht fehlen darf dafür das stark am Original orientierte Treppenhaus inklusive Treppen nach unten und zum Trockenboden, verglaster Türen mit weißen Gardinchen dahinter, alten Klingeln und Lichtschaltern sowie der ein oder anderen Schramme an der Wand. Für das Bühnenbild gesorgt hatte Heiko Alsleben, der gemeinsam mit Regisseurin Barbara Hoefel die Gesamtleitung der Produktion übernommen hat.

Für Meta Boldt gibt es bei den nicht zuletzt auch durch ihr Zutun verzwickten Entwicklungen im Mietshaus allerlei, das sie mit funkelnden Augen und grandios gespielter Neugier auf die nächste Geschichte weitertragen kann. Nur als aus Silke Seefeldts Vater (Holger Hämmerling) binnen weniger Verhörer zuerst ein Mitglied der Heilsarmee, dann der Vater eines angeblichen Kindes der Untermieterin und schließlich ein Beamter der Kriminalpolizei wird, der angeblich wegen schwer strafbarer „übler Nachrede“ ermittelt, gerät der Tratsch ins Stocken – jedenfalls bis zum nächsten geschickt mitgehörten Gespräch. (Eden Sophie Rimbach, Werra Rundschau vom 25.3.2025, Eschwege)

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